Oktober 2005

Rundschreiben Nr. 28

home

 

zurück


„Reisekrankheiten“ –
individuelles Screening statt nur „Schema F“

Kaum ist die Sommerferienzeit vorbei, wird Ihnen ein Hund vorgestellt, der 3 Wochen in Ungarn war, seit zwei Tagen starkes Fieber hat und apathisch ist. Der Besitzer berichtet von einem starken Befall mit merkwürdig großen Zecken und Sie denken sofort an eine Babesiose, können aber auch andere Infektionen nicht ausschließen.

Die meisten Diagnostiklabors bieten Ihnen für solche Fälle ein Komplettabklärungspaket bestehend aus verschiedensten, meist serologischen Tests an. Auch wir haben ein solches Reisekrankheiten-Profil im Programm, unterscheiden uns aber in wesentlichen Punkten, da wir statt der Antikörper (AK)-Bestimmung den Direktnachweis von Ehrlichien und Babesien im EDTA-Blut mittels PCR durchführen. So konnte obiger Babesiose-Verdachtsfall des „Ungarn-Urlaubers“ in der frühen Krankheitsphase – wo eine Serokonversion (AK-Bildung) noch nicht stattgefunden hat – nur über den molekulargenetischen Nachweis des Erregers (Babesien-PCR: positiv!) bestätigt werden (Die AK-Bestimmung ist negativ ausgefallen).

Aber die Fragen gehen noch weiter:

  • ·Wie gehen Sie bei einem symptomlosen Patienten vor, dessen Besitzer eine Kontrolle auf mediterrane Infektionskrankheiten wünscht?
     
  • Wie verfahren Sie mit einem aus dem Urlaub mitgebrachten griechischen Straßenhund oder mit einem gesund erscheinenden Tier, das – wie immer häufiger der Fall – über einen organisierten Import durch Tierschutzorganisationen erworben wurde?
     
  • Und was machen Sie mit einem Hund, der nicht im südlichen Ausland war, bei dem aber alles auf eine Ehrlichiose / Anaplasmose hindeutet?

Es macht wenig Sinn, die skizzierten Konstellationen (und viele weitere sind möglich) mit dem gleichen Profil „abzuarbeiten“.

Gemäß unserem Motto „So zu arbeiten, dass Qualität und Aussagekraft jedes einzelnen Befundes gesichert sind“ wollen wir einen Schritt weitergehen und statt dem üblichen Vorgehen nach „Schema F“ eine für jeden Fall individuelle Abklärung mit Hilfe folgender Stufendiagnostik anbieten:

  1. Eingangsuntersuchung (noch ohne Serologie oder PCR):
    Hundeprofil, Großes Blutbild mit Thrombozyten und mikroskopischem Nachweis von Blutparasiten, ggfls. zusätzlich Retikulozyten, evtl. Knott-Test zum Filariennachweis
     
  2. Rücksprache zum Befund
     
  3. Festlegung spezifischer Abklärungen der jeweiligen Verdachtsdiagnose(n)

Je nach Zahl der weiteren Untersuchungen (PCR-Nachweise und/oder AK-Bestimmungen) bieten wir Ihnen eine Rabattstaffelung auf die Listenpreise an: bei 1 Untersuchung 10 %, bei 2 sind es 15%, ab 3 sind es 20% auf die Eingangsuntersuchung und die folgenden Tests.


ALOMED-Studien zur caninen Ehrlichiose
und Hämobartonellose

Wie viele von Ihnen wissen, haben wir im April 2005 zwei Studien über Blutparasiten beim Hund begonnen, die „ALOMED Ehrlichiose-Studie – Serologisch und/oder PCR positive Fälle“ und die „ALOMED Hämobartonellose-Studie – PCR positive Fälle“.

Dank der sehr großen Resonanz und Ihrer hervorragenden Mithilfe haben wir bis heute von den insgesamt 45 Ehrlichiose-Fällen in unserem Labor (davon 31 PCR-positiv) anamnestische und klinische Daten von 34 Fällen zusammengetragen und ausgewertet.

Auf der anderen Seite konnten wir bei 87 mikroskopischen Verdachtsbefunden in 78 Fällen Mycoplasmen („Hämobartonellen“)-DNA mittels PCR nachweisen. Zudem wurden im Zuge von Anforderungen 8 Fälle positiv getestet, die mikroskopisch nicht auffällig waren. Von den insgesamt 86 PCR-positiven Hunden waren 59 anämisch (68%) und wir konnten bisher die klinischen Daten von 52 Hunden auswerten. Wir planen die Ergebnisse dieser beiden Studien Ende 2005 zu veröffentlichen.


Dermazentor-Zecken in Deutschland und der Schweiz

Die Auwald- oder Buntzecke (Dermacentor reticulatus) hat sich in vielen Gegenden Deutschlands und der Schweiz stark ausgebreitet. Sie sind die Überträger des gefährlichen bis tödlich verlaufenden Babesiose-Erregers Babesia canis. In Deutschland (Siegen, Münster, München, Berlin) und in der Schweiz (Regionen um den Genfer See, Obergösgen, Aarau) sind autochthone canine Babesiose-Fälle in jüngster Zeit bekannt geworden. Im August 2005 wurde uns zum ersten Mal eine Dermazentor-Zecke aus dem Raum Überlingen zur Untersuchung eingeschickt.

Die Fragen, die sich aus dieser Situation ergeben, sind:

  • Wie weit ist Dermacentor in Deutschland und der Schweiz bereits verbreitet?
  • Kann Dermacentor auch hier Hunde mit der Babesiose infizieren?

Im Jahre 2004 wurden unter Leitung des Parasitologen Dr. Torsten Naucke (Parasitus Ex e.V) zwei Diplomarbeiten begonnen, die diese Fragen klären sollen. Wir unterstützen diese Forschungsarbeit und bitten Sie um Einsendung von Dermacentor-Zecken, die Sie bei Ihren Patienten finden oder von den Besitzern mitgebracht bekommen! Wir bitten dabei um eine möglichst genaue Beschreibung der Fundorte bzw. Wohn- oder Aufenthaltsorte der Hunde.

Der Gemeine Holzbock (Ixodes ricinus; oben rechts) ist - wie bekannt - der Überträger der Borreliose und der Anaplasmose. Diese Zecken werden NICHT benötigt. Dermacentor (oben links) kommt aus der Mittelmeerregion und verbreitet sich derzeit in Deutschland. Die Dermacentor-Zecke ist größer und bewegt sich verhältnismäßig schneller als der Gemeine Holzbock.


Neu gestaltete ALOMED-Homepage

Wir möchten Sie darauf hinweisen, dass wir unseren Internet-Auftritt neu gestaltet und gründlich aktualisiert haben. Unser Ziel war es, die Navigation auf unseren Seiten einfacher, übersichtlicher und informativer für Sie zu gestalten.

Neben unserem Untersuchungsverzeichnis, den Hinweisen zur Präanalytik und unseren Rundschreiben finden Sie aktuelle Informationen zu unseren Diagnostikempfehlungen.

In einem separaten Abschnitt „Diagnostikspezialitäten“ haben wir unsere besonderen Stärken für Sie übersichtlich zusammengestellt.

Zusätzlich finden Sie detaillierte Informationen zu unseren aktuellen Angeboten („Reisekrankheiten“– individuelles Screening) und Projekten (Alomed-Studien, Dermazentor-Zecken-Sammelaktion). Wir freuen uns auf Ihren Besuch unter www.alomed.de und sind für jede Anregung dankbar (info@alomed.de).