Oktober 2004

Rundschreiben Nr. 25

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Kreatinin-Bestimmung beim Hund

Können wir Kreatinin-Werte weiterhin unabhängig von Muskelmasse, bzw. Körpergewicht beurteilen?

Unsere Beobachtungen beim Vergleich von Kreatinin- und Inulin-Resultaten bei Hunden geben klare Hinweise darauf, dass die bisher übliche Praxis der Beurteilung von Kreatinin-Werten zu fatalen diagnostischen Fehleinschätzungen führen kann.

Beispiel: Bei einer 6-jährigen WHWT-Hündin mit PU/PD und dem Verdacht auf einen Nierentubulus-Schaden ermittelten wir einen völlig ‚normalen’ Kreatinin-Wert von 107 µmol/l (Referenzbereich: bis 133). Demnach also kein Nierenproblem? Ein Inulin-Ausscheidungstest ergab einen signifikant erhöhten Inulin-Wert und damit einen klaren Hinweis auf eine eingeschränkte glomeruläre Filtrationsrate (GFR).

Wie ist dieser Widerspruch zu erklären?
Kreatinin ist ein physiologisches Endprodukt des Muskelstoffwechsels (entsteht aus Kreatin und Kreatin-Phosphat) und wird über die Nieren ausgeschieden (wird glomerulär filtriert, tubulär nicht rückresorbiert, geringgradig sezerniert). Die täglich ausgeschiedene Kreatinin-Menge ist der Muskelmasse proportional, die Serumkonzentration als ein Maß zur Beurteilung der glomerulären Funktion zeigt erst pathologische Werte, wenn mindestens 2/3 der Nierenfunktion ausgefallen ist und ist ebenfalls von der individuellen Muskelmasse abhängig. Zusätzlich kann das Serumkreatinin auch durch die Fütterung, besonders durch gekochtes Fleisch, beeinflusst werden. Damit ergeben sich 3 Gesichtspunkte, die eine klare diagnostische Beurteilung der Kreatinin-Werte gerade beim Hund sehr beeinträchtigen.

Einschränkungen bei der diagnostischen Beurteilung von Kreatinin-Werten

  • Das Kreatinin ist nur ein sehr grober, unsensitiver Nierenparameter und nicht zur Frühdiagnostik geeignet
  • Die bisher übliche Bewertung unabhängig von Muskelmasse, bzw. Körpergewicht kann bei kleinen Rassen zu fälschlich ‚normalen’ und bei großen Rassen zu fälschlich erhöhten Resultaten führen (dies betrifft auch Resultate der Kreatinin-Clearance).
  • Die sicherste diagnostische Bewertung ist bei intraindividuellen Kreatinin-Werten (Verlaufskontrollen) und mit Nüchternblut möglich
Rasseabhängige Referenzwerte beim Hund erforderlich
Beim Hund bestehen zwischen kleinen und großen Rassen gewaltige Gewichtsunterschiede (bis über das 50-fache), mit daraus resultierenden Unterschieden in der Muskelmasse, deren Anteil zusätzliche rasseabhängige Besonderheiten aufweist. Daher ist die bisherige Praxis der Kreatinin-Bewertung beim Hund an einem einheitlichen, für alle Rassen geltenden Referenzbereich nicht mehr vertretbar.
In einer Dissertation von R. Dereser (Lmuss München) wurde schon 1989 die bisher leider kaum beachtete, signifikante Rasseabhängigkeit von Kreatinin dokumentiert. DSH, DSH-Mischlinge, Windhunde und Boxer wiesen deutlich höhere, Dackel, Cockerspaniel und Kleinsthunde signifikant niedrigere Referenzbereiche auf.

Bisherige Praxis der Referenzwerte führt zu diagnostischen Fehleinschätzungen
Der oben geschilderte Fall des WHWT ist dafür ein Beispiel. Bis rasseabhängige Referenzwerte zur Verfügung stehen, empfehlen wir als vorläufige Richtlinie bei Hunden unter 25 kg die obere Referenzgrenze (µmol/l) nach der groben Faustregel: 100 + Körpergewicht (kg) festzulegen. Werte, die in diesem Bereich und darüber liegen, sollten als verdächtig für eine eingeschränkte GFR betrachtet und durch den Inulin-Ausscheidungstest weiter abgeklärt werden.
Durch rasseabhängige Referenzbereiche wird die Zahl der fälschlich als unauffällig eingestuften Kreatinin-Werte sicher deutlich sinken. Das grundsätzliche Problem der generell geringen diagnostischen Sensitivität des Kreatinins lässt sich dadurch jedoch nicht beseitigen.

Der Inulin-Ausscheidungstest ist die Methode der Wahl zur Nierenfrühdiagnostik
Zur Nierenfrühdiagnostik im Kreatinin-blinden Bereich und bei allen klinischen Verdachtsfällen, bei denen der ermittelte Kreatininwert keine eindeutige Aussage zulässt, empfehlen wir die Durchführung des Inulin-Ausscheidungstestes (siehe ALOMECUM).
Dieser Test leitet sich von der Inulin-Clearance ab. die nach wie vor als Goldstandard der GFR-Bestimmung gilt. Er ist unabhängig von der Rasse und die zwischen kleinen und großen Hunden unterschiedlichen Stoffwechselraten werden durch die von Körpergewicht/Körperoberfläche abhängige Inulin-Dosierung ausgeglichen.


Vorsorgeuntersuchung bei Hund und Katze

Wartezimmer-Poster und Besitzer-Infos können weiterhin angefordert werden
Im Juli erhielten Sie unser Rundschreiben Nr. 24 zur Vorsorgeuntersuchung bei Hund und Katze mit der Möglichkeit zur Anforderung von zusätzlichem Info-Material (Wartezimmer-Poster und Besitzer-Info). Für diejenigen unserer Kunden, die wegen der Urlaubszeit, oder weil Anderes den Praxisalltag bestimmte, sich damit bisher noch nicht beschäftigen konnten, wäre vielleicht jetzt zu Beginn der ruhigeren Jahreszeit eine Gelegenheit.
Sie können das dazu benötigte Info-Material, sowie natürlich auch das Rundschreiben Nr. 24 selbst (mit Erläuterungen zur Kostenkalkulation), jederzeit gerne anfordern.


Mycoplasma haemocanis/haemofelis

(vormals Haemobartonellen) Infektionen kommen auch beim Hund vor – Bestätigungstest durch neue PCR

Mycoplasma-Infektionen bei der Katze sind vielfach beschrieben und haben ihren festen Platz in der Anämie-Diagnostik.
Bei Hunden sind Infektionen ebenfalls beschrieben, ihre Rolle als Primärerkrankung ist jedoch nicht gesichert. Klinisch apparente Infektionen sind bei splenektomierten Hunden dokumentiert, aktuell auch durch 2 Publikationen aus dem Institut für Experimentelle Chirurgie des Klinikums Großhadern (München) mit unserer Mitwirkung1,2. Bei der mikroskopischen Leukozyten-Differenzierung finden wir nicht selten – als Zufallsbefund - mikroskopisch-morphologische Hinweise auf einen Mycoplasma-Befall.

Diagnostik-Empfehlung
Zur Bestätigung eines Infektionsverdachtes mit M. haemocanis/haemofelis und haemominutum bei Hund und Katze empfehlen wir den DNA-Nachweis mittels PCR aus EDTA-Blut (0,5 ml).
Durch eine in unserem Labor gelungene Weiterentwicklung der bisherigen Methodik und ihre Validierung, können wir Ihnen ab sofort diesen neuen, hochspezifischen PCR-Test anbieten.

1) Can we continue Research in Splenectomized Dogs? Mycoplasma haemocanis: Old Problem-New Insight G. Kemming, J.B. Messick, W. Müller et al., European Surgical Research 2004; 36: 198-205

2) Mycoplasma haemocanis Infection-A Kennel Disease? G. Kemming et al., Comparative Medicine 2004; 54 (4): 404-409


Ehrlichiose beim Hund

Neuer Screening-Test (PCR) zum Nachweis von E. canis und A. phagozytophila

Eine sichere Ehrlichiose-Diagnostik ist aus 3 Gründen bisher schwierig und aufwendig:

  • Mikroskopisch-morphologische Hinweise sind hier durch eine Untersuchung des Blutausstriches (im Gegensatz zu Mycoplasma- und Babesien-Infektionen) praktisch nicht zu erhalten
  • Die Serokonversion kann bei der Ehrlichiose sehr verzögert sein
  • Ehrlichia canis und Anaplasma phagozytophila sind für den Hund pathogen. Der serologische Ehrlichiose-Nachweis sollte daher auch AK gegen Anaplasma (vormals Ehrlichia) phagozytophila erfassen.

Diese Notwendigkeit zur Einbeziehung von A. phagozytophila in die Ehrlichiose-Diagnostik resultiert aus folgenden, kürzlich erzielten Ergebnissen bei symptomatischen Hunden:

  • Serologisch waren mehrere E. canis-negative Seren positiv für A. phagozytophila (eine serologisch verwertbare Kreuzreaktivität zwischen beiden Antigenen besteht damit nicht)
  • Bei PCR-Untersuchungen konnten wir A. phagozytophila nachweisen.

Diagnostik-Empfehlung
Screening-Test auf Ehrlichia/Anaplasma-DNA aus EDTA-Blut (PCR). Dieser Test erfasst alle Spezies und ist damit als Direktnachweis, wie auch zur Therapie-Kontrolle der Serologie überlegen.