Kreatinin-Bestimmung
beim Hund
Können wir Kreatinin-Werte weiterhin unabhängig von Muskelmasse,
bzw. Körpergewicht beurteilen?
Unsere Beobachtungen beim Vergleich von Kreatinin- und Inulin-Resultaten
bei Hunden geben klare Hinweise darauf, dass die bisher übliche Praxis
der Beurteilung von Kreatinin-Werten zu fatalen diagnostischen Fehleinschätzungen
führen kann.
Beispiel: Bei einer 6-jährigen WHWT-Hündin mit PU/PD und dem
Verdacht auf einen Nierentubulus-Schaden ermittelten wir einen völlig
‚normalen’ Kreatinin-Wert von 107 µmol/l (Referenzbereich: bis 133).
Demnach also kein Nierenproblem? Ein Inulin-Ausscheidungstest ergab
einen signifikant erhöhten Inulin-Wert und damit einen klaren Hinweis
auf eine eingeschränkte glomeruläre Filtrationsrate (GFR).
Wie ist dieser Widerspruch zu erklären?
Kreatinin ist ein physiologisches Endprodukt des Muskelstoffwechsels
(entsteht aus Kreatin und Kreatin-Phosphat) und wird über die Nieren
ausgeschieden (wird glomerulär filtriert, tubulär nicht rückresorbiert,
geringgradig sezerniert). Die täglich ausgeschiedene Kreatinin-Menge
ist der Muskelmasse proportional, die Serumkonzentration als ein Maß
zur Beurteilung der glomerulären Funktion zeigt erst pathologische Werte,
wenn mindestens 2/3 der Nierenfunktion ausgefallen ist und ist ebenfalls
von der individuellen Muskelmasse abhängig. Zusätzlich kann das Serumkreatinin
auch durch die Fütterung, besonders durch gekochtes Fleisch, beeinflusst
werden. Damit ergeben sich 3 Gesichtspunkte, die eine klare diagnostische
Beurteilung der Kreatinin-Werte gerade beim Hund sehr beeinträchtigen.
Einschränkungen bei der diagnostischen Beurteilung von Kreatinin-Werten
- Das Kreatinin ist nur ein sehr grober, unsensitiver Nierenparameter
und nicht zur Frühdiagnostik geeignet
- Die bisher übliche Bewertung unabhängig von Muskelmasse, bzw. Körpergewicht
kann bei kleinen Rassen zu fälschlich ‚normalen’ und bei großen Rassen
zu fälschlich erhöhten Resultaten führen (dies betrifft auch Resultate
der Kreatinin-Clearance).
- Die sicherste diagnostische Bewertung ist bei intraindividuellen
Kreatinin-Werten (Verlaufskontrollen) und mit Nüchternblut möglich
Rasseabhängige Referenzwerte beim Hund erforderlich
Beim Hund bestehen zwischen kleinen und großen Rassen gewaltige Gewichtsunterschiede
(bis über das 50-fache), mit daraus resultierenden Unterschieden in der
Muskelmasse, deren Anteil zusätzliche rasseabhängige Besonderheiten aufweist.
Daher ist die bisherige Praxis der Kreatinin-Bewertung beim Hund an einem
einheitlichen, für alle Rassen geltenden Referenzbereich nicht mehr vertretbar.
In einer Dissertation von R. Dereser (Lmuss München) wurde schon 1989
die bisher leider kaum beachtete, signifikante Rasseabhängigkeit von Kreatinin
dokumentiert. DSH, DSH-Mischlinge, Windhunde und Boxer wiesen deutlich
höhere, Dackel, Cockerspaniel und Kleinsthunde signifikant niedrigere
Referenzbereiche auf.
Bisherige Praxis der Referenzwerte führt zu diagnostischen Fehleinschätzungen
Der oben geschilderte Fall des WHWT ist dafür ein Beispiel. Bis rasseabhängige
Referenzwerte zur Verfügung stehen, empfehlen wir als vorläufige Richtlinie
bei Hunden unter 25 kg die obere Referenzgrenze (µmol/l) nach der groben
Faustregel: 100 + Körpergewicht (kg) festzulegen. Werte, die in diesem
Bereich und darüber liegen, sollten als verdächtig für eine eingeschränkte
GFR betrachtet und durch den Inulin-Ausscheidungstest weiter abgeklärt
werden.
Durch rasseabhängige Referenzbereiche wird die Zahl der fälschlich als
unauffällig eingestuften Kreatinin-Werte sicher deutlich sinken. Das
grundsätzliche Problem der generell geringen diagnostischen Sensitivität
des Kreatinins lässt sich dadurch jedoch nicht beseitigen.
Der Inulin-Ausscheidungstest ist die Methode der Wahl zur Nierenfrühdiagnostik
Zur Nierenfrühdiagnostik im Kreatinin-blinden Bereich und bei allen
klinischen Verdachtsfällen, bei denen der ermittelte Kreatininwert keine
eindeutige Aussage zulässt, empfehlen wir die Durchführung des Inulin-Ausscheidungstestes
(siehe ALOMECUM).
Dieser Test leitet sich von der Inulin-Clearance ab. die nach wie vor
als Goldstandard der GFR-Bestimmung gilt. Er ist unabhängig von der
Rasse und die zwischen kleinen und großen Hunden unterschiedlichen Stoffwechselraten
werden durch die von Körpergewicht/Körperoberfläche abhängige Inulin-Dosierung
ausgeglichen.
Vorsorgeuntersuchung bei Hund und Katze
Wartezimmer-Poster und Besitzer-Infos können weiterhin angefordert
werden
Im Juli erhielten Sie unser Rundschreiben
Nr. 24 zur Vorsorgeuntersuchung bei Hund und Katze mit der Möglichkeit
zur Anforderung von zusätzlichem Info-Material (Wartezimmer-Poster und
Besitzer-Info). Für diejenigen unserer Kunden, die wegen der Urlaubszeit,
oder weil Anderes den Praxisalltag bestimmte, sich damit bisher noch
nicht beschäftigen konnten, wäre vielleicht jetzt zu Beginn der ruhigeren
Jahreszeit eine Gelegenheit.
Sie können das dazu benötigte Info-Material, sowie natürlich auch das
Rundschreiben Nr. 24 selbst (mit Erläuterungen zur Kostenkalkulation),
jederzeit gerne anfordern.
Mycoplasma haemocanis/haemofelis
(vormals Haemobartonellen) Infektionen kommen auch beim Hund vor
– Bestätigungstest durch neue PCR
Mycoplasma-Infektionen bei der Katze sind vielfach beschrieben und
haben ihren festen Platz in der Anämie-Diagnostik.
Bei Hunden sind Infektionen ebenfalls beschrieben, ihre Rolle als Primärerkrankung
ist jedoch nicht gesichert. Klinisch apparente Infektionen sind bei
splenektomierten Hunden dokumentiert, aktuell auch durch 2 Publikationen
aus dem Institut für Experimentelle Chirurgie des Klinikums Großhadern
(München) mit unserer Mitwirkung1,2. Bei der mikroskopischen Leukozyten-Differenzierung
finden wir nicht selten – als Zufallsbefund - mikroskopisch-morphologische
Hinweise auf einen Mycoplasma-Befall.
Diagnostik-Empfehlung
Zur Bestätigung eines Infektionsverdachtes mit M. haemocanis/haemofelis
und haemominutum bei Hund und Katze empfehlen wir den DNA-Nachweis mittels
PCR aus EDTA-Blut (0,5 ml).
Durch eine in unserem Labor gelungene Weiterentwicklung der bisherigen
Methodik und ihre Validierung, können wir Ihnen ab sofort diesen neuen,
hochspezifischen PCR-Test anbieten.
1) Can we continue Research in Splenectomized Dogs? Mycoplasma
haemocanis: Old Problem-New Insight G. Kemming, J.B. Messick, W. Müller
et al., European Surgical Research 2004; 36: 198-205
2) Mycoplasma haemocanis Infection-A Kennel Disease? G. Kemming
et al., Comparative Medicine 2004; 54 (4): 404-409
Ehrlichiose beim Hund
Neuer Screening-Test (PCR) zum Nachweis von E. canis und A. phagozytophila
Eine sichere Ehrlichiose-Diagnostik ist aus 3 Gründen bisher schwierig
und aufwendig:
- Mikroskopisch-morphologische Hinweise sind hier durch eine Untersuchung
des Blutausstriches (im Gegensatz zu Mycoplasma- und Babesien-Infektionen)
praktisch nicht zu erhalten
- Die Serokonversion kann bei der Ehrlichiose sehr verzögert sein
- Ehrlichia canis und Anaplasma phagozytophila sind für den Hund pathogen.
Der serologische Ehrlichiose-Nachweis sollte daher auch AK gegen Anaplasma
(vormals Ehrlichia) phagozytophila erfassen.
Diese Notwendigkeit zur Einbeziehung von A. phagozytophila in die
Ehrlichiose-Diagnostik resultiert aus folgenden, kürzlich erzielten
Ergebnissen bei symptomatischen Hunden:
- Serologisch waren mehrere E. canis-negative Seren positiv für A.
phagozytophila (eine serologisch verwertbare Kreuzreaktivität zwischen
beiden Antigenen besteht damit nicht)
- Bei PCR-Untersuchungen konnten wir A. phagozytophila nachweisen.
Diagnostik-Empfehlung
Screening-Test auf Ehrlichia/Anaplasma-DNA aus EDTA-Blut (PCR).
Dieser Test erfasst alle Spezies und ist damit als Direktnachweis, wie
auch zur Therapie-Kontrolle der Serologie überlegen. |