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Nächstes Radolfzeller Kolloquium: 2008


Nachlese zum 8. Radolfzeller Kolloquium
am 24.6.2006
Kurzzusammenfassungen der Vorträge


Endogenes ACTH beim Hund, Ersatz für die Funktionsteste bei Cushing u. Addison?

Frau Dr. Claudia Schwedes (Kleintierklinik Augsburg) stellte anhand des folgenden Falles die Problematik der Cushing-Diagnostik und die Ergebnisse einer gemeinsamen Studie vor:

Riesenschnauzer, 12 J, m.: Haarausfall auf der Kruppe seit 6 Monaten, vermehrter Hunger und Durst seit 6 Wochen, uriniert vermehrt, ungestörtes Allgemeinbefinden.

Auffällige Laborwerte : leicht erhöhte AP, grenzwertig hohes Kalium, Urin: Spez. Gewicht 1008.
Da differentialdiagnostisch eine endokrine Störung, insbesondere Richtung Cushing abzuklären war, wurden nach einem mäßig auffälligen Cortisol/Kreatinin-Quotienten im Morgenurin von 23 noch 2 weitere Funktionstests durchgeführt:

  • ACTH-Stimulationstest: 69 /337 nmol/l (basal /1 h), Bewertung: unauffällig
  • DXM-Screening-Test: 61 /77 /61 nmol/l (basal /4 h /8 h), Bewertung: Da sich auch nach 4 Stunden keine Suppression zeigt, kann sowohl ein NNR-Tumor, als auch ein nicht supprimier-barer Hypophysentumor vorliegen.

Die zusätzliche Bestimmung des endogenen ACTH ergab eine nicht nachweisbare ACTH-Konzentration von < 2 pg/ml. Dieses Resultat (vollständige Suppression der ACTH-Ausschüttung) spricht nach den bisherigen Daten der ACTH-Studie (Schwedes/Müller) für die Diagnose: Funktioneller NNR-Tumor. Durch sonographische Untersuchungen und die abschließende OP wurde diese Diagnose bestätigt.
Schlussfolgerung: Aufgrund der vorgestellten Studie erweist sich die Bestimmung des endogenen ACTH als ein wertvoller Test zur Differenzierung zwischen zentralem und peripherem Cushing (wie auch beim vorgestellten Fall gezeigt) und zum direkten Addison-Nachweis.
Praxistauglich ist dieser Test durch die in der Studie gelungene Entwicklung eines Stabilisator-Röhrchens für den Plasma-Versand. Dadurch ist ein unkomplizierter, normaler Postversand der Probe möglich.

 

Erhöhtes T4 der Katze = Hyperthyreose?

Dr. Kamil Tomsa (Kleintierklinik Rigiplatz, CH-Cham) stellte den Fall einer 13-jährigen Katze (wk) vor. Sie hatte eine Vorgeschichte von Nasenausfluss, Durchfall, Erbrechen, Fieber, zeigte Apathie, Anorexie, Tachykardie, und wies eine Ventroflexion und eine Masse am Hals auf.
Hat diese Katze eine Hyperthyreose? Auffällige Laborwerte: Anämie (HK: 22%), Azotämie (Harnstoff: 22 mmol/l, Kreatinin: normal), Hypokaliämie und Hyperphosphatämie, USG von > 1040, T4-Bestimmung: 30 nmol/l = normal! Beurteilung: Euthyreose oder apathische Hyperthyreose (AH), wobei die Diagnose AH mit der klinischen Symptomatik weitgehend im Einklang stand.
Weiteres Vorgehen nach dem Motto: "Zustand verbessern und erneut T4 messen"’. Nach Gabe von Diätfutter (Hills a/d) und Medikation (Metronidazol, Tenormin): Deutliche Besserung. Nachkontrolle nach 3 Wochen: Katze aufgestellt, aktiv, hatte aber abgenommen, war weiterhin tachykard. T4 jetzt bei 96 nmol/l und Leberwerte erhöht.
Nach eingeleiteter thyreostatischer Therapie erste Nachkontrolle nach 4 Wochen: Gutes Allgemeinbefinden, Gewichtszunahme, T4-Wert jetzt: 64, weitere 3 Wochen später: 15 nmol/l, Leberwerte zeigten abfallende, Nierenwerte dagegen deutlich steigende Tendenz mit Kreatinin von jetzt 202 µmol/l! Diagnose: Chronische Niereninsuffizienz und Hyperthyreose.
Beurteilung: Niereninsuffizienz und zusätzliche Erkrankungen maskierten anfänglich die vermutete Hyperthyreose. Unter thyreostatischer Therapie, damit abnehmender Durchblutung der Niere und reduzierter GFR trat die durch die Hyperthyreose maskierte Niereninsuffizienz deutlich zu Tage.
Schlussfolgerung: Normale T4-Werte schließen eine Hyperthyreose nicht aus. Bei Hyperthyreose und Niereninsuffizienz ist ein differenziertes Vorgehen mit Kontrollmessungen (T4/Kreatinin) sinnvoll.

 

Vektor-übertragene Infektionskrankheiten

... waren Thema des zweiten Teils des Kolloquiums, und wie im letzten Jahr standen dabei verschiedene „Blutparasiten“ im Mittelpunkt.

Dr. Torsten Naucke (Parasitus Ex e.V.) berichtete über die zunehmende Verbreitung von Phlebotomen (Sandmücken) und Dermacentor-Zecken in Deutschland.
Sandmücken, Überträger der Leishmaniose, wurden bis heute an 19 Orten zwischen Lörrach und Baden-Baden gefunden. Seit 1991 gab es zwar nur 11 Leishmaniose-Fälle, bei denen die Patienten Deutschland nie verlassen hatten (1 Kleinkind, 8 Hunde, 1 Pferd, 1 Katze). Durch die wachsende Anzahl von importierten, Leishmaniose-infizierten Hunden und das Vorkommen der Vektoren steigt aber die Gefahr autochthoner Infektionen in Zukunft deutlich an.
Dermacentor-Zecken (Buntzecken) sind Überträger der Babesiose (Hunde-Malaria). Herr Naucke schilderte zahlreiche Fälle von autochthonen Infektionen bei Hunden aus vielen Teilen Deutschlands (Saarland, München, Regensburg, Siegen, Münster, Filderstadt, Berlin, Koblenz, Bonn, Leverkusen, etc.) und eine aktuelle Studie zeigt, dass Dermacentor-Zecken in Deutschland weit verbreitet sind.

Im Anschluss an diesen Vortrag stellte Frau med. vet. Melanie Helm ihre im April 2005 begonnene Dissertation „Klinische und labormedizinische Diagnostik der caninen Leishmaniose“ vor.
Nähere Informationen zu dieser Studie können Sie gerne bei uns anfordern. Sie finden Sie auch in unserem letzten Rundschreiben (Nr. 30) und in unserem Kurzinfo.

Dr. Barbara Willi (Veterinärmedizinisches Labor der Universität Zürich) präsentierte Daten über das Vorkommen und die klinische Bedeutung von felinen Hämoplasmen, die früher als „Hämobartonellen“ bezeichnet wurden. Diese Erreger lagern sich auf der Oberfläche von Erythrozyten an und können Krankheitssymptome wie Anämie, Fieber oder Ikterus verursachen. In der Schweiz und in Deutschland wurden bis heute drei Hämoplasmen-Spezies gefunden und die Infektion hat einen festen Platz in der Anämie-Diagnostik. Die im Anschluss an diesen Vortrag gezeigten Ergebnisse der ALOMED-Hämobartonellose-Studie zeigten auf, dass auch Hunde betroffen sein können. Die Rolle dieser Infektion als Primärerkrankung wurde an einer Reihe von Fällen diskutiert.

Eine zweite Studie in unserem Labor beschäftigte sich mit dem Vorkommen der Ehrlichiose bei Hunden in Deutschland und der Schweiz. Dr. Daniel Schaarschmidt (Labor ALOMED) erläuterte an einigen Fallbeispielen die unterschiedlichen diagnostischen Vorgehensweisen (direkte und indirekte Nachweismethoden). Während Infektionen mit Ehrlichia canis als klassische Reise-Infektionen betrachtet werden können, kommen Infektionen mit Anaplasma phagozytophilum endemisch in Deutschland und der Schweiz vor. Aktuelle Arbeiten deuten auf eine hohe Seroprävalenz von Antikörpern gegen A. phagozytophilum hin. Bei Zeckenbefall und klinischer Symptomatik sollte daher immer auch an eine mögliche Anaplasmose gedacht werden. In der Akutphase können neben unspezifischen Symptomen (Fieber, Lethargie, Anorexie) auch zentralnervöse Symptome (epileptiforme Anfälle, Panikschübe, Kopfschiefhaltung, Gleichgewichtsstörungen) vorkommen. Differentialdiagnostisch ist es zudem wichtig zu beachten, dass chronische Anaplasma-Infektionen ein der Borreliose sehr ähnliches Krankheitsbild (Gelenksprobleme, Arthritis, wechselnde Lahmheiten) zeigen können.