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Die erste Fallbeschreibung einer Zeckenenzephalitis (ZE) beim Hund datiert aus dem Jahre 1972 aus der Schweiz (Wandeler et al., 1972). Bei diesem Hund aus Hallau (Kanton Schaffhausen), konnte aus dem Gehirn das FSME-Virus isoliert werden. Bis zu Beginn unserer serologisch-epidemiologischen Pilotstudie im Mai 1993 gab es lediglich 2 weitere Fallbeschreibungen aus der Schweiz, jedoch keine systematische klinische oder epidemiologische Studie. Im Oktober 1993 erschien dann eine erste klinisch-neurologische Studie beim Hund (5 Fälle) aus dem Institut für Tierneurologie der Universität Bern (Tipold et al., 1993). Aus Deutschland wurde ein erster Fallbericht im März 97 in München aus der 1. Medizinischen Tierklinik vorgestellt (B. Reiner). Das Ziel unserer Studie war es, in den Endemie-verdächtigen Regionen Süddeutschlands und den angrenzenden Schweizer Kantonen Daten zur klinischen Symptomatik, zu Vorkommen und Verbreitung der ZE beim Hund zu sammeln und andererseits die Möglichkeiten zur labormedizinischen Diagnostik der ZE zu evaluieren. Im Zeitraum unserer Studie (von Mai 1993 bis Dezember 1996) erhielten wir von insgesamt 518 Hunden Untersuchungsmaterial zur serologischen ZE-Diagnostik. Der überwiegende Teil der Einsendungen (71%) kam aus Baden-Württemberg, die Schweiz (vorwiegend die Kantone Schaffhausen und Zürich) folgt mit 17% und Bayern mit 7%. Mittels eines von uns erprobten, optimierten und validierten Enzymimmunoassays zum Nachweis von ZE-Virus-Gesamtantikörpern beim Hund untersuchten wir alle Serum/Plasma-Proben auf das Vorkommen von ZE-Virus-Antikörpern. In 23% der untersuchten Fälle konnten Antikörper gegen den ZE-Virus nachgewiesen werden. Aufgrund der uns beschriebenen klinischen Symptomatik teilten wir die seropositiven Fälle in 3 Gruppen: 1) ZE sehr wahrscheinlich, 2) ZE wahrscheinlich und 3) ZE möglich. In der 1. Gruppe sind alle klinischen Hauptsymptome der ZE wie Ataxie, epileptiforme Anfälle, Krampfanfälle, Fieber und ZNS-Ausfälle aufgetreten. Diese Gruppe umfasst 1/4 der seropositiven Fälle und bei rund einem Drittel davon hatte die Infektion einen letalen Verlauf, bzw. mussten die Tiere euthanasiert werden. Die 2. Gruppe zeigte eine nur teilweise ausgeprägte ZE-Symptomatik (nur Ataxie, bzw. Krampfanfälle, oder epileptiforme Anfälle) und die 3. Gruppe wies eine unspezifische, oder nur schwach apparente klinische ZE-Symptomatik auf. Aus den bisherigen Daten unserer Studie ist zu ersehen, dass die ZE eine zwar vergleichsweise seltene, jedoch ernstzunehmende Erkrankung beim Hund darstellt. Weiterhin zeigen unsere Untersuchungen, dass im Vorkommen und der Verbreitung der ZE beim Hund markante regionale Unterschiede bestehen: Während uns aus den nördlichen Bundesländern Deutschlands weder seropositive Tiere, noch Erkrankungsfälle bekannt sind, müssen folgende Regionen im Süden Baden-Württembergs auch beim Hund als Hauptendemiegebiete eingestuft werden: Westlicher Bodensee/Hegau/Hochrhein, Oberer Neckar und die Achse Reutlingen/Nagold/ Freudenstadt, die Region Freiburg/Waldkirch/Emmendingen und vermutlich auch die gesamte Oberrheinregion zwischen Offenburg und Rastatt, mit den Seitentälern von Kinzig, Rench und Murg. Bisherige Stichprobenuntersuchungen in Baden-Württemberg zur Seroprävalenz der ZE beim Hund zeigen einen Anteil seropositiver Tiere von ca. 30% in der Region Westlicher Bodensee/Hegau/Hochrhein, während im nördlichen Baden-Württemberg in der Region Wiesloch/Heidelberg/Mannheim lediglich ein Anteil von ca. 5% seropositiver Tiere gefunden wurde. Aufgrund der kaum vorhandenen Therapiemöglichkeiten und der Gefahr letaler Krankheitsverläufe entschieden wir uns zu einer zusätzlichen Studie der Immunprophylaxe der ZE beim Hund mittels aktiver Immunisierung mit FSME-IMMUN® (IMMUNO AG). Die vorliegenden Daten zeigen die Wirksamkeit des eingesetzten Impfstoffes anhand der untersuchten Titerverläufe. Seine Verträglichkeit ist gut, Nebenwirkungen konnten bisher nicht beobachtet werden. Der Impfstoff kann damit grundsätzlich auch für den Einsatz beim Hund empfohlen werden, ist jedoch hierfür bisher noch nicht amtlich zugelassen. Literatur: Tipold A, Fatzer R, Holzmann H, Zentraleuropäische Zeckenenzephalitis
beim Hund Müller W, TBE in the dog – seroepidemiological studies, in: Süss J, Kahl O (Eds): Tick-borne Encephalitis and Lyme Borreliosis, 4th International Potsdam Symposium on Tick-borne Diseases, Pabst Science Publishers (1997) |